Vermögensübertragung in Deutschland: Zukunft, Steuerstrategien & die Rolle des Certified Financial Planners
- Georg Böttcher
- 17. Sept.
- 2 Min. Lesezeit

Die Vermögensübertragung durch Erbschaften und Schenkungen wird in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten gesellschaftlichen und finanziellen Themen. Studien zeigen, dass jedes Jahr Hunderte Milliarden Euro an die nächste Generation weitergegeben werden – Tendenz steigend.
Doch damit verbunden sind Chancen und Risiken: steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, familiäre Konfliktpotenziale und rechtliche Herausforderungen. Genau hier setzt die Rolle des Financial Planners an: als strategischer Begleiter, Mediator und Lösungsentwickler.
Wie viel Vermögen wird übertragen – aktuelle Zahlen & Prognosen
Laut aktuellen Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Deutschen Bundesbank wechseln in den kommenden Jahren jährlich zwischen 400 und 500 Milliarden Euro den Eigentümer.
2023 erreichten Erbschaften und Schenkungen in Deutschland einen neuen Rekordwert von über 100 Milliarden Euro, die dem Fiskus gemeldet wurden – Tendenz steigend.
Bis 2040 wird erwartet, dass über 3 Billionen Euro allein in Deutschland an die nächste Generation übertragen werden.
Besonders betroffen: Immobilienvermögen, Unternehmensanteile sowie Kapitalanlagen.
Diese Zahlen verdeutlichen: Wer frühzeitig plant, kann nicht nur Steuern sparen, sondern auch Konflikte vermeiden und das Familienvermögen erhalten.
Rechtlicher & steuerlicher Rahmen in Deutschland
Die Erbschaft- und Schenkungsteuer (ErbStG) bildet den gesetzlichen Rahmen. Besonders relevant sind hier:
Freibeträge:
Ehepartner: 500.000 €
Kinder: 400.000 €
Enkel: 200.000 €
Übrige Erben: deutlich weniger
Zehnjahresfrist: Freibeträge können alle zehn Jahre erneut genutzt werden.
Steuerklassen: nahe Angehörige profitieren von günstigeren Steuerklassen, während entfernte Erben deutlich stärker belastet werden.
Sonderregelungen:
Nießbrauchrechte bei Immobilien oder Wertpapieren: Eigentum übertragen, Nutzung behalten.
Unternehmensnachfolge: erleichterte Steuerregelungen, wenn Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Herausforderungen & Risiken
So attraktiv steuerliche Vorteile sind – ohne Planung drohen Risiken:
Fehlende Vorbereitung: Rund 50 % der Deutschen besitzen kein Testament.
Familiäre Konflikte: unklare Regelungen führen oft zu Streit.
Steuerpolitische Unsicherheiten: Änderungen der Freibeträge und Steuersätze sind möglich.
Liquiditätsprobleme: Immobilienvermögen ist oft nicht sofort teilbar, Steuern müssen aber gezahlt werden.

Die Rolle des Financial Planners
Ein Certified Financial Planner begleitet den Prozess der Vermögensübertragung professionell und neutral:
Mediator zwischen Generationen: unterstützt bei Gesprächen über Wünsche und Erwartungen.
Ganzheitlicher Ansatz: berücksichtigt Finanzen, Steuern, persönliche Ziele, rechtliche Aspekte.
Strategieentwicklung: individuelle Nachfolgepläne, abgestimmt auf die Vermögensstruktur.
Koordination: Zusammenarbeit mit Steuerberatern, Rechtsanwälten und Notaren.
Konfliktprävention: klare Kommunikation und strukturierte Planung reduzieren Streitigkeiten.
Konkrete Handlungsempfehlungen
Frühzeitig starten – am besten schon ab 50 Jahren beginnen, Nachfolge zu planen.
Freibeträge optimal nutzen – Schenkungen über mehrere Jahrzehnte staffeln.
Individuelle Beratung suchen – ein Financial Planner erkennt steuerliche und emotionale Fallstricke.
Dokumente prüfen & aktualisieren – Testament, Vollmachten, Schenkungsverträge regelmäßig anpassen.
Szenarien simulieren – „Was-wäre-wenn“-Analysen für Erbschaft, Schenkung und Firmenweitergabe.
Fazit
Die Vermögensübertragung in Deutschland wird in den nächsten Jahren massiv an Bedeutung gewinnen. Wer frühzeitig handelt, kann nicht nur erhebliche Steuerlasten vermeiden, sondern auch den Familienfrieden sichern.
Financial Planner spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie verbinden Fachwissen mit der Fähigkeit, komplexe Interessen auszugleichen – und schaffen damit langfristig tragfähige Lösungen.
FAQs zur Vermögensübertragung
Welche Freibeträge gelten bei Schenkung und Erbschaft?
Ehepartner 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 €, alle zehn Jahre wieder nutzbar.
Was ist besser: Schenken oder Vererben?
In vielen Fällen ist eine Kombination sinnvoll – frühzeitige Schenkungen sichern Steuervorteile.
Kann ich Kontrolle behalten, wenn ich schenke?
Ja, z. B. über Nießbrauch oder Wohnrechte.
Welche Rolle spielt ein Certified Financial Planner?
Er moderiert zwischen Generationen, entwickelt steueroptimierte Strategien und koordiniert juristische Partner.



Kommentare